Stillen bei Herzfehlern: Weniger Stress für kleine Herzen
Viele Eltern hören, dass Stillen für „Herzenskinder“ zu anstrengend sei und sie lieber die Flasche geben sollten. Wissenschaftliche Daten zeigen jedoch ein anderes Bild: Stillen ist oft deutlich weniger belastend für das Herz-Kreislauf-System.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
- Stabilere Sauerstoffwerte: Beim Stillen lag die Sättigung im Schnitt bei stabilen 96,3 %, während sie beim Fläschchen auf 92,5 % sank.
- Weniger Krisen: In der Untersuchung erlitt kein einziges Baby beim Stillen einen kritischen Sauerstoffabfall – beim Fläschchenfüttern passierte dies bei über der Hälfte der Kinder.
- Unsichtbare Gefahr: Diese Sauerstoffabfälle sieht man den Kleinen von außen oft gar nicht an; sie zeigen kein auffälliges Verhalten.
Fazit: Stillen sollte bei Herzfehlern nicht voreilig ausgeschlossen werden. Es bietet oft eine bessere Sauerstoffversorgung und stärkt die Bindung.
Quelle:
Marino BL, O’Brien P, LoRe H. Oxygen saturations during breast and bottle feedings in infants with congenital heart disease. J Pediatr Nurs. 1995;10(6):360-4.
Hier geht es zum Artikel: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8544112/
Muttermilch als Schutzschild nach der Herz-OP
Nach einer Herzoperation liegt das Risiko für eine Lungenentzündung bei Säuglingen zwischen 8 und 28 Prozent. Da die Kinder nach dem Eingriff beatmet werden müssen, können Bakterien aus dem Mundraum über den Schlauch leichter in die Lunge wandern. Eine aktuelle Studie zeigt, dass eine einfache Mundpflege mit Muttermilch dieses Risiko massiv senkt.
Wichtige Erkenntnisse der Untersuchung:
- Bei einer Mundpflege mit Muttermilch bekamen nur 3,2 Prozent der Babys eine Lungenentzündung.
- Mit herkömmlicher Kochsalzlösung oder Natriumbikarbonat lag die Rate dagegen bei etwa 20 Prozent.
- Die Zeit an der Beatmungsmaschine sowie der Aufenthalt auf der Intensivstation verkürzten sich deutlich.
- Muttermilch enthält Antikörper wie Immunglobulin A und Probiotika, die einen natürlichen Schutzfilm auf der Schleimhaut bilden.
Was Eltern und Fachpersonal tun können: Die Mundpflege sollte konsequent alle drei Stunden durchgeführt werden, indem Wangen, Zahnfleisch und Zunge vorsichtig mit Muttermilch benetzt werden. Jeder Tropfen Milch ist wertvoll für diesen Schutz, auch wenn das Kind noch nicht selbst trinken kann. Sprechen Sie Ihr Behandlungsteam aktiv auf diese einfache Maßnahme an.
Quelle:
Yu XR, Xu N, Huang ST, Zhang QL, Wang ZC, Cao H, Chen Q. Effects of different oral care strategies on postoperative pneumonia in infants with mechanical ventilation after cardiac surgery: a prospective randomized controlled study. Transl Pediatr. 2021;10(2):359-365.
Link zum Artikel in Pubmed: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33708522/
Muttermilch: Ein wichtiger Baustein für die Entwicklung kleiner Herzenskinder
Wenn ein Baby mit einem kritischen angeborenen Herzfehler zur Welt kommt, liegt der Fokus zunächst verständlicherweise auf der lebensrettenden Operation. Doch viele Eltern und Fachkräfte machen sich auch Gedanken über die langfristige Entwicklung des Kindes. Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung gibt hier nun wertvolle neue Impulse: Sie zeigt, dass Muttermilch und direktes Stillen eine messbare Rolle für die geistige und körperliche Entwicklung im ersten Lebensjahr spielen.
Die Studie untersuchte Kinder, die in ihren ersten Lebensmonaten am Herzen operiert werden mussten. Dabei wurde analysiert, wie sich die Art der Ernährung im Krankenhaus auf die Meilensteine nach einem Jahr auswirkt. Die Ergebnisse sind eine starke Bestätigung für alle, die sich für die Unterstützung der Laktation in der Kinderkardiologie einsetzen.
Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse der Untersuchung:
- Kinder, die bereits im Krankenhaus direkt an der Brust gestillt wurden, zeigten nach einem Jahr deutlich höhere Werte in der geistigen Entwicklung (Kognition).
- Auch in den Bereichen Sprache und Motorik schnitten die gestillten Kinder signifikant besser ab als Kinder, die ausschließlich über Flasche oder Sonde ernährt wurden
- Eine Ernährung mit reiner Muttermilch in den ersten sechs Monaten zeigte ebenfalls positive Trends bei der geistigen Leistungsfähigkeit.
- Die Forschenden vermuten, dass die wertvollen Inhaltsstoffe der Muttermilch Entzündungen reduzieren und so das empfindliche Gehirn während der stressigen Zeit rund um die Operationen schützen.
Für Eltern bedeutet dies: Jeder Tropfen Muttermilch ist kostbar. Auch wenn das direkte Stillen aufgrund der medizinischen Situation nicht immer sofort möglich ist, unterstützt das Gewinnen von Muttermilch die Entwicklung Ihres Kindes nachhaltig. Stillberaterinnen und das medizinische Personal sind wichtige Partner, um diesen Weg gemeinsam zu ebnen und die besten Voraussetzungen für die Zukunft kleiner Herzenskinder zu schaffen.
Quelle:
Elgersma KM, Engel ML, Ramel SE, Davis JA, McKechnie AC, Pfister KM. Human milk, breastfeeding, and early neurodevelopmental outcomes for infants with critical CHD. Cardiol Young. 2024;1-9.
Hier geht es zum Artikel: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38738385/